FAQ
Du hast Fragen zum Angebot von OMPRIS Hier findest du eine Übersicht häufig gestellter Fragen mit den passenden Antworten. Klicke dazu einfach auf die jeweilige Frage und daraufhin wird die jeweilige Antwort erscheinen.
Technische Fragen
Wie kann ich mich bei OMPRIS registrieren?
Zur Registrierung bei OMPRIS fülle bitte den Selbsttest aus. Anschließend wirst du auf die Registrierungsseite weitergeleitet.
Was passiert, wenn ich mein Passwort vergessen habe?
Es ist kein Problem, wenn man sein Passwort vergisst. Klicke einfach auf der Anmeldeseite auf den „Passwort vergessen?“-Link. Du erhältst anschließend eine Mail mit der Möglichkeit, ein neues Passwort für das OMPRIS-Portal zu vergeben.
Kann ich mein Passwort ändern?
Das Passwort kann jederzeit geändert werden. Melde dich hierfür in deinem OMPRIS-Portal an und gehe in die Kontoeinstellungen. Klicke auf „Passwort ändern“ und folge den Anweisungen. Das System leitet einen durch den Prozess.
Welche Kriterien muss mein Passwort erfüllen?
Das gewählte Passwort muss mindestens einen Groß- und einen Kleinbuchstaben sowie eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten. Insgesamt ist eine Mindestlänge von 8 Zeichen gefordert. Es sollte darauf geachtet werden, keine Leerzeichen im Passwort zu verwenden.
Wie kann ich meine Kontaktdaten ändern?
Deine Telefonnummer, Adresse sowie Krankenkassendaten kannst du ganz einfach in deinem Profil ändern. Sollte sich deine Mailadresse im Verlauf der Behandlung ändern, wende dich bitte telefonisch an unsere Ambulanz.
Sind meine Daten sicher?
Deine Daten werden gemäß der geltenden Datenschutzbestimmungen verarbeitet sowie durch technische und organisatorische Maßnahmen geschützt. Die für den Zweck erforderlichen Daten werden nur an berechtigte Personen weitergegeben, sodass deine personenbezogenen Daten vor unbefugten Zugriffen geschützt sind.
Wo erhalte ich Auskunft, welche Daten über mich gespeichert werden?
Informationen zur Datenverarbeitung können in unserer Datenschutzerklärung nachgelesen werden.
Wie kann ich eine Anfrage an das OMPRIS-Team senden?
Hier findest du den Link zum Kontaktformular.
Kann ich mein Nutzerkonto löschen lassen?
Zum Löschen des eigenen Nutzerkontos melde dich im OMPRIS-Portal an und gehe dort auf Kontoeinstellungen. Mit Klick auf „Account löschen“ und anschließender Bestätigung wird dein Konto nach 14 Tagen automatisch gelöscht. In dieser Zeit werden abrechnungsrelevante und der Aufbewahrungsfrist unterliegende Daten gesichert und im patientenführenden System gespeichert.
Du wirst vor Löschung deines Benutzerkontos per E-Mail informiert, sodass du Gelegenheit hast, für dich wichtige Unterlagen ebenfalls zu sichern.
Was passiert mit meinem Nutzerkonto, wenn die Behandlung vorbei ist?
Dein Nutzerkonto wird drei Monate nach Behandlungsende automatisch gelöscht. Abrechnungsrelevante und der Aufbewahrungsfrist unterliegende Daten werden vor Löschung im patientenführenden System entsprechend der gesetzlichen Fristen gespeichert.
Du wirst vor Löschung deines Benutzerkontos per E-Mail informiert, sodass du Gelegenheit hast, für dich wichtige Unterlagen ebenfalls zu sichern.
Wie funktioniert eine webcam-basierte Therapie?
Du bekommst einen Link auf der OMPRIS-Plattform, über den du direkt in den Video-Therapieraum gelangst. Zum Durchführen der Therapie wird ein internetfähiges Gerät mit Webcam benötigt.
Wie kann ich einen Termin fürs Erstgespräch buchen?
Nach Ausfüllen des Selbsttests mit anschließender Einschätzung zur Schwere der Internetsucht erhältst du eine Einladung zur Terminbuchung. Voraussetzung für die Terminbuchung ist die Registrierung für ein Nutzerkonto im OMPRIS-Portal, das zur Durchführung eines Erstgesprächs und – falls gewünscht und empfohlen – auch zur Behandlung verwendet wird.
Bitte beachte, dass das Erstgespräch vor Ort in unserer Ambulanz in Bochum stattfindet. Alle weiteren Termine werden online durchgeführt.
Fragen zu Teilnahmevoraussetzungen
Wer kann das OMPRIS-Angebot nutzen?
Das Ausfüllen des Selbsttests sowie die Buchung eines Erstgesprächs steht allen Interessierten zur Verfügung. Das Erstgespräch dient der Einschätzung, ob ein:e Therapeut:in des Teams dir eine Empfehlung für die OMPRIS-Behandlung ausspricht. Voraussetzung für die Teilnahme und somit für den Zugang zum speziell geschützten personalisierten Bereich sind folgende Kriterien:
- Alter über 18 Jahre
- regelmäßiger Internetzugang mit Webcam und Headset
- ausreichende Deutschkenntnisse
- Empfehlung nach dem diagnostischen Erstgespräch
Mehr Informationen zu Ausschlusskriterien findest du im Punkt Wer kann an OMPRIS teilnehmen?
Was kostet mich die Benutzung der OMPRIS-Plattform und -Behandlung?
Für Mitglieder in einer gesetzlichen Krankenversicherung übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Behandlung vollständig. Dafür ist im Registrierungsprozess die Angabe der Versichertendaten erforderlich.
Solltest du privat versichert sein, gibst du deine Versichertendaten ebenfalls im Registrierungsprozess an. Die Abrechnung erfolgt dann nach dem Kostenerstattungsprinzip, d. h. du erhältst eine Rechnung und reichst diese im Anschluss der Behandlung bei deiner Krankenversicherung ein. Die Höhe der Erstattung richtet sich nach deinem individuellen Vertrag mit deiner PKV. Bitte kläre vorab mit deiner Versicherung, ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden.
Als Selbstzahler:in erhältst du eine Rechnung von uns. Das Honorar richtet sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Dabei werden Mindestsätze der Gebührenordnung mit dem 2,3-fachen Satz berechnet.
Fragen zur OMPRIS-Behandlung
Was ist OMPRIS?
OMPRIS ist ein Onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Reduktion des problematischen Medienkonsums und Förderung der Veränderungsmotivation bei Menschen mit Computerspielabhängigkeit und Internetsucht. Das Programm hat zum Ziel, Menschen mit problematischer Internetnutzung durch ein niedrigschwelliges Angebot unkompliziert, kompetent und zeitnah zu beraten und bei ihrer Verhaltensänderung zu unterstützen.
OMPRIS wurde in einem deutschlandweiten Kooperationsprojekt, welches im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wurde, getestet und erwies sich als äußerst effektiv, auch noch zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung. Daher bietet das LWL-Universitätsklinikum Bochum dieses Online-Therapieprogramm nun in der Regelversorgung an.
Wie ist der Ablauf der OMPRIS-Teilnahme?
Auf der OMPRIS-Webseite findet sich auf den meisten Seiten ein Link zum Selbsttest. Dieser dient der Einschätzung, ob eine Internetsucht vorliegt. Wer anschließend den Wunsch verspürt, ein Erstgespräch zu vereinbaren, muss ein Nutzerkonto erstellen. Das Konto ist notwendig, um ein Erstgespräch buchen zu können. Dieses kann anschließend auch zur Behandlung verwendet werden. Nach Erstellen des Kontos gelangt man zu einer Terminbuchungsseite, wo freie Termine für ein Erstgespräch angezeigt werden. Nach der Buchung bekommst du eine Bestätigungsmail. Im ersten Gespräch werden weitere Informationen eingeholt und am Ende gibt ein:e Therapeut:in eine Einschätzung, ob eine Online-Behandlung empfohlen wird. Bei Bedarf startet die OMPRIS-Online-Behandlung und eine erste Sitzung kann schon direkt im Erstgespräch ausgemacht werden. Dort gibt es auch alle wichtigen Informationen zum weiteren Behandlungsablauf.
Bitte beachte, dass das Erstgespräch vor Ort in unserer Ambulanz in Bochum stattfindet. Alle weiteren Termine werden online durchgeführt.
Wie häufig und in welchem Abstand finden die Sitzungen statt?
In mindestens 8 Einzelgesprächen über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen wird gemeinsam mit dem/r Therapeut:in daran gearbeitet, wie man eine Internetnutzung verändern und die Motivation zur stetigen Veränderung des Internetnutzungsverhaltens verfestigen kann.
Ich kann keine regelmäßigen Termine einrichten. Kann ich trotzdem an der OMPRIS-Behandlung teilnehmen?
Die OMPRIS-Behandlung erfordert die Teilnahme an mindestens wöchentlich stattfindenden Online-Terminen (ideal 2x / Woche) sowie die Bearbeitung von Fragebögen und Arbeitsblättern. Dabei müssen die Termine nicht immer am gleichen Wochentag und zur gleichen Uhrzeit stattfinden. Deine persönliche Situation besprichst du im Erstgespräch mit deinem/r Therapeut:in. Er oder sie entscheidet gemeinsam mit dir, ob eine Behandlung möglich ist. Das Konzept ist aber so erarbeitet, dass wir regelmäßig und höherfrequent über 4 Wochen an Veränderungen arbeiten. Lange Fehlzeiten und Abwesenheiten sind hier eher nicht hilfreich.
Worum geht es bei der Behandlung?
Im Rahmen der Gespräche erlernt man, welche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen mit dem Internetkonsum verbunden sind und wie man Veränderungen unterstützen kann.
Man wird im Verlauf der Teilnahme zu verschiedenen Zeitpunkten gebeten, einige Fragebögen zur Internetnutzung, Motivation zur Verhaltensänderung und Wirksamkeit von OMPRIS zu beantworten und insbesondere Arbeitsblätter auszufüllen, die mit dem/r Therapeut:in besprochen werden und die die Veränderung positiv unterstützen.
Zusätzlich hat man die Möglichkeit, webcambasierte Einzelgespräche mit einem/r Sozialarbeiter:in zu führen, um z. B. bei Fragen zur Inanspruchnahme von staatlichen Hilfeleistungen Unterstützung zu erhalten.
Begleitend zur Behandlung kann man auf der Plattform von jedem Gerät aus auf Informationen, Fragebögen, Arbeitsblätter und Kontaktinformationen zugreifen.
Nach der Behandlung erfolgt eine Nachsorge, die ebenfalls über die Plattform durchgeführt wird.
Findet die OMPRIS-Behandlung online statt?
Das Erstgespräch findet vor Ort in unserer Ambulanz in Bochum statt. Alle weiteren Termine werden online durchgeführt.
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich für die Online-Behandlung?
Du benötigsts ein internetfähiges Endgerät (Computer, Smartphone, Tablet) mit Browser, Webcam und Headset.
Was mache ich, wenn ich einen gebuchten Termin nicht wahrnehmen kann?
Du kannst einen bereits gebuchten Termin direkt im OMPRIS-Portal absagen. Falls du noch keinen Folgetermin vereinbart hast oder dieser in zu weiter Ferne liegt, kannst du in unserer Ambulanz anrufen und einen neuen Termin vereinbaren.
Wer kann an OMPRIS teilnehmen?
Da es sich um ein Onlineangebot handelt, kann standortunabhängig an OMPRIS teilgenommen werden. Bitte beachte jedoch, dass das Erstgespräch vor Ort in unserer Ambulanz in Bochum stattfindet. Grundvoraussetzung für die weiteren Termine per Videokonferenz ist die Möglichkeit zur regelmäßigen Nutzung einer Internetanbindung mit Webcam, ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache sowie eine E-Mail-Adresse.
Die Ausschlusskriterien für die Teilnahme an OMPRIS sind im Folgenden aufgelistet. Wenn eine oder mehrere der nachfolgend aufgelisteten Punkte auf dich zutreffen, kannst du leider nicht an OMPRIS teilnehmen. Spezifische Anlaufstellen für Internetsüchtige findest du auf der Homepage des Fachverbands Medienabhängigkeit. Bei akuten psychotischen Symptomen und / oder Suizidalität wende dich bitte an den Sozialpsychiatrischen Dienst deiner Stadt.
Ausschlusskriterien für die Teilnahme an OMPRIS sind:
- Akute psychotische Symptome (akuter Wahn, Halluzinationen, massive Denkstörungen)
- Akute Suizidalität oder Selbstgefährdung
- Schwere Intelligenzminderung
- Im Vordergrund stehende Substanzabhängigkeit
- Alter unter 18 Jahre
- Mangelnde Deutschkenntnisse
- Fehlender regelmäßiger Internetzugang mit Webcam sowie fehlende E-Mail-Adresse
Ich habe einen dringenden Notfall, meine nächste Sitzung ist erst in ein paar Tagen und mein persönlicher Notfallkoffer hat als Hilfestellung nicht ausgereicht, wen kann ich kontaktieren?
Du benötigst sofortige Hilfe?
Bitte wähle den Notruf 112.
Ist die OMPRIS-Behandlung wirksam?
Es wurde in mehreren aufwendigen Studien gezeigt, dass die Behandlung für viele Patienten Besserung brachte und diese auch noch bis zu zwei Jahre nach der Behandlung bestehen blieb. Wichtig ist, dass psychotherapeutische Behandlung ein aktiver Prozess ist, in dem Betroffene sich beteiligen und einbringen, um eine positive Veränderung herbeizuführen.
Wer sind die Behandler:innen bei OMPRIS?
Die Behandlungen werden durch erfahrene Ärzt:innen und Psycholog:innen des LWL-Universitätsklinikums Bochum, genauer der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, durchgeführt.
Wie geht es nach der OMPRIS-Behandlung weiter?
Das ist individuell verschieden. Am Ende der Behandlungszeit wird mit dem/r Behandelnden besprochen, ob die Behandlung ausreichend war oder im Einzelfall eine ambulante Psychotherapie sinnvoll ist. Bei Abschluss der Behandlung erhältst du eine Behandlungsbescheinigung.
Direkt nach Abschluss der Behandlung startet eine mehrwöchige Nachsorge-Phase, während der im wöchentlichen Rhythmus Emails versendet werden. Diese Mails sollen die in der Behandlung erreichten Fortschritte vertiefen und eine Art Hilfestellung darstellen. Es werden neben Texten, die die vergangenen Sitzungen zusammenfassen, schon erarbeitete Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt und Fragebögen zum weiteren Verlauf ausgegeben.
„Du“ statt „Sie“?
Auf der OMPRIS-Webseite wie auch in der Behandlung verwenden wir das „Du“. Diese persönliche Art der Ansprache hat sich als behandlungsförderlich herausgestellt.
Wie kann ich meine Behandlung unterstützen?
Eine erfolgreiche Behandlung beginnt mit der Einsicht, dass man suchtkrank ist. Auch wenn dieses Eingeständnis schmerzhaft und möglicherweise schambehaftet ist, versetzt es Betroffene in die Lage zu handeln und sich der Erkrankung zu stellen.
Wie vermeide ich bei Sucht einen Rückfall?
Es gibt mehrere Ansätze, um einem Rückfall vorzubeugen. Im Rahmen einer Suchttherapie wird erkundet, welche Lebensumstände die Abhängigkeit grundsätzlich begünstigt haben. Dabei werden Strategien für den Umgang mit diesen sehr individuellen Faktoren entwickelt.
Darüber hinaus gibt es einige allgemeine Vorgehensweisen, um Rückfälle zu vermeiden:
- Der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe ermöglicht, Erfahrungen mit anderen Betroffenen auszutauschen, sich zu motivieren und einander beizustehen.
- Das Gehirn hat sich an das Gefühl der Belohnung über das Suchtmittel gewöhnt. Wird es nicht mehr konsumiert, entsteht eine Lücke. Neue Gewohnheiten, Hobbys oder Interessen können sie füllen.
- Stress und Belastungen in der Familie oder bei der Arbeit steigern das Rückfallrisiko. Fachleute können Wege aufzeigen, wie mit Belastungen umzugehen ist.
- In manchen Fällen hat das soziale Umfeld die Abhängigkeit begünstigt. Es gilt kritisch zu hinterfragen, welche Personen und Aufenthaltsorte ein suchtfreies Leben eher behindern.
- Das Verlangen nach dem Suchtstoff wird an manchen Tagen übermächtig sein. Hier hilft ein vorher ausgearbeiteter Notfallplan, der das eigene Verhalten für Momente mit hoher Rückfallgefahr anleitet.
Wo finden Eltern Hilfe, deren Kind an einer Internetnutzungsstörung erkrankt ist?
Ist das eigene Kind psychisch erkrankt, ist dies für Eltern eine große Belastung. In einigen Fällen kann es hilfreich sein, ebenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Tipps zur Selbsthilfe finden Eltern zudem hier.
Fragen zu Internetnutzungsstörungen
Was sind Internetnutzungsstörungen?
Es gibt viele Begriffe für Internetnutzungsstörungen, wie beispielsweise Internetsucht, Netzabhängigkeit, Online-Sucht, internetbezogene Süchte etc. Sie gelten als Verhaltenssucht, bei dem nicht eine Substanz, sondern das Verhalten selbst zum Inhalt der Sucht wird. Verhaltensweisen, die häufig im Zusammenhang mit Internetnutzungsstörungen vorkommen sind: Online-Shopping, Online-Glücksspiel, Gaming, Online-Pornographie, Online-Streaming, Social Media, Online-Dating, Online-Nachrichtenkonsum.
Wichtigstes Kriterium ist: Betroffene können nicht aufhören, online zu sein, obwohl es ihnen schadet.
Eine Verhaltenssucht ist definiert als ein Zwang zu einer belohnenden Aktivität, die trotz negativer Folgen für das körperliche, psychische, berufliche, akademische oder finanzielle Wohlbefinden der Person fortgesetzt wird.
Woran erkenne ich, ob ich von einer Internetsucht betroffen bin?
Die meisten Betroffenen verbringen viel Zeit im Internet. Eine intensive Nutzung ist jedoch nicht automatisch problematisch oder führt zwingend zu einem Suchtverhalten. Stattdessen ist die Zeit ein Risikofaktor. Sprich, je höher die eigene Nutzungszeit ist, desto wahrscheinlicher liegt eine Internetsucht vor. Nachfolgend werden die Unterschiede zwischen einer intensiven Nutzung, einer problematischen Nutzung und einer Sucht erklärt. Ebenso ist aufgeführt, welche Anzeichen es für eine Internetsucht gibt und wie sich die Sucht auswirkt.
Für eine ausführliche Einführung in das Thema Internetsucht und eine detaillierte Erklärung der Kriterien einer Sucht gehe direkt zur Seite Internetsucht als Verhaltenssucht.
Woran erkenne ich einen Unterschied zwischen intensiver Nutzung, problematischer Nutzung und Sucht?
Nicht jede intensive Online-Aktivität ist problematisch oder führt zu einer Sucht. Entscheidend ist, ob das Online-Sein schlechte Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat. Es ist wichtig, zwischen gesunder Nutzung, problematischer Nutzung und Suchtverhalten zu unterscheiden. Problematische Nutzung bedeutet nicht automatisch Sucht, hat jedoch oft mehr negative Auswirkungen auf Gesundheit, Arbeit oder Beziehungen.
Welche Anzeichen für Internetsucht gibt es?
Betroffene denken ständig ans Internet und planen ihren Alltag drum herum (Gedankliche Vereinnahmung).
Online-Zeit wird genutzt, um sich besser zu fühlen oder Stress abzubauen (Stimmungsänderung).
Immer mehr Zeit oder intensivere Aktivitäten sind nötig, um zufrieden zu sein (Toleranz).
Ohne Internet treten Unruhe, Gereiztheit oder Schlafprobleme auf (Entzug).
Beziehungen, Arbeit und Schule leiden unter der exzessiven Nutzung (Konflikte).
Betroffene schaffen es nicht, ihre Online-Zeit zu reduzieren, obwohl sie es wollen (Rückfall).
Wie wirkt sich Internetsucht aus?
Andere Hobbys und Aktivitäten werden vernachlässigt (Interessenverlust).
Betroffene bleiben online, auch wenn sie wissen, dass es ihnen schadet (Fortsetzung trotz Problemen).
Es können Beziehungen zerbrechen, Schulden entstehen oder der Job verloren gehen (Schäden und Verluste).
Woran erkennen Experten Internetsucht?
Fachleute verwenden hierfür das „Komponentenmodell der Verhaltenssucht“.
Dieses Modell bezieht sich auf die oben beschriebenen sechs Hauptmerkmale: gedankliche Vereinnahmung, Stimmungsänderung, Toleranz, Entzug, Konflikte und Rückfall.
Wenn mehrere dieser Merkmale über längere Zeit vorkommen und das Leben stark negativ beeinflussen, sprechen Fachleute von Internetsucht.
Welche verschiedenen Internetnutzungsstörungen gibt es?
Da das Internet viele Bereiche des analogen Lebens abbildet, kann sich auch Internetsucht in ganz unterschiedlichen Bereichen zeigen, wie beispielsweise:
Online-Spiele (Rollenspiele, Ego-Shooter…)
Online-Einkauf (eBay, Amazon…)
Online-Glücksspiele (Poker, Casinos, Wetten…)
Soziale Netzwerke (Instagram, TikTok, Facebook…)
Chatten / Austausch in Foren (Reddit…)
Online-Streamingdienste (Netflix, YouTube, Amazon Prime…)
Wieso kann Gaming zur Sucht werden?
Beim Spielen von Computerspielen wirken ähnliche Mechanismen wie beim Konsum anderer Suchtmittel. Durch Spielerfolge wird das Belohnungszentrum des Gehirns aktiviert. Das so erzeugte Wohlgefühl möchte man immer wieder erleben. Mit der Zeit entsteht jedoch eine Toleranz, sodass die Dosis – also das Spielen – erhöht werden muss. Wie bei anderen Suchtstoffen geht die Kontrolle verloren. Das Gamen hat Priorität, Schule, Ausbildung und Familie werden vernachlässigt. Aktuell erfolgreiche Games sind zudem nach Mustern aufgebaut, die Nutzer:innen lange an das Spiel binden. Sie sind zum Beispiel nie zu Ende. Die Spielumgebung ändert sich oft, sodass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Games schütten Belohnungen aus, jedoch wissen Spielende nicht wann. In Form von Teamspielen erzeugen sie eine soziale Verpflichtung. Der Schwierigkeitsgrad wird an die Spielenden angepasst, weshalb sich Erfolge einstellen, die zum Weiterspielen motivieren. Nicht hinter jeder Phase intensiven Spielens steckt eine Sucht. Seit 2019 ist „Gaming Disorder“ jedoch von der WHO als Erkrankung anerkannt, was Diagnosestellung und Behandlung erleichtert.
Gibt es kurze Informationen zu Internetnutzungsstörungen und deren Behandlung zum Anhören?
Wer wissen möchte, was es mit dem OMPRIS-Projekt auf sich hat und wie Onlinesüchtigen mit Hilfe einer Online-Therapie künftig geholfen werden kann, sollte hier reinhören:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Neue-Konzepte-gegen-Onlinesucht,audio1783594.html
Unter anderem stellt sich Dr. Jan Dieris-Hirche, Entwickler des OMPRIS-Programms, in dem Beitrag den Fragen der NDR-Redakteurin Jenny Witt.
Was können Angehörige einer von Internetnutzungsstörung betroffenen Person tun?
Am besten hilft man Betroffenen dadurch, dass man informiert ist. Welche Folgen hat eine Suchterkrankung und auf was muss man sich vorbereiten? Man kann professionelle Beratung und den Austausch mit Menschen in der gleichen Situation nutzen.
Informiert sein heißt auch Grenzen ziehen. Auch wenn man der erkrankten Person unbedingt helfen möchten: Übernimm nicht die Verantwortung für deren Sucht und man sollte darauf achten, sich nicht in eine Co-Abhängigkeit zu begeben. Darunter versteht man ein – häufig auch unbewusstes – suchtförderndes Verhalten. Dazu zählt z. B. die Beschaffung des Suchtmittels oder die Rechtfertigung des Suchtverhaltens vor sich selbst oder anderen.
Woran erkennt man Co-Abhängigkeit bei Sucht?
Co-Abhängigkeit bezeichnet das suchtfördernde Verhalten von Menschen aus dem Umfeld einer erkrankten Person. Mit der Absicht der erkrankten Person zu helfen und sie zu unterstützen, begeben sie sich selbst in eine Abhängigkeit, die auf das Leben der süchtigen Person ausgerichtet ist.
Erkennen lässt sich Co-Abhängigkeit unter anderem durch die drei Phasen, in denen sie auftritt. Am Anfang wird die süchtige Person beschützt und entschuldigt, zum Beispiel vor dem Arbeitgeber. Der Suchtstoff wird beschafft, die Situation insgesamt verharmlost. Die zweite Phase besteht im Versuch zu kontrollieren, etwa indem das Suchtmittel versteckt und die erkrankte Person stärker beobachtet wird. Die dritte Phase beginnt mit der Erkenntnis, dass diese Dinge das Problem nicht lösen. Co-Abhängige entwickeln Gefühle der Anklage, Ausgrenzung und Abwendung gegenüber der erkrankten Person.
Weitere Merkmale sind:
- Co-Abhängige Menschen haben Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen und häufig ein mangelndes Selbstwertgefühl.
- Ihr eigenes Leben tritt völlig in den Hintergrund.
- Sie fühlen sich verantwortlich für die erkrankte Person und dafür, die Fassade nach außen aufrechtzuerhalten.
- Sie sind oft stark erschöpft und stehen unter hohem Druck.
- Sie leiden an psychosomatischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Verspannungen und Depressionen.
